Das Erlebnisgradierwerk kann nach einer aufwändigen Sanierung ab dem 10. Juli wieder besichtigt werden. Die Sole-Nebelkammer muss momentan corona-bedingt noch geschlossen bleiben., © Staatsbad Salzuflen GmbH

Stau­nen, durch­at­men und den Aus­blick ge­nie­ßen

Das Erlebnisgradierwerk in Bad Salzuflen ist wieder geöffnet

Bad Salzuflen. Ab sofort kann das Erlebnisgradierwerk in Bad Salzuflen wieder von Gästen des Kurparks besichtigt werden. Nach einer sechsmonatigen Sanierung der oberen Ebene ist das begehbare Gradierwerk am 8. Juli durch Vertreter der Stadt sowie des Betreibers, der Staatsbad Salzuflen GmbH, offiziell für Besucher freigegeben worden.
Bei der Eröffnung anwesend waren Dirk Tolkemitt (Bürgermeister Bad Salzuflen), Bernd Zimmermann (Technischer Beigeordneter), Tugba Gürel (Projektleitung Fachdienst Hochbau) sowie Volker Stammer (Interim-Geschäftsführer der Staatsbad Salzuflen GmbH).

„Wir freuen uns sehr, dass ein wichtiges Wahrzeichen unserer Stadt jetzt wieder für Gäste sowie für Einwohnerinnen und Einwohner zur Verfügung steht“, so Dirk Tolkemitt. „Das Erlebnisgradierwerk ist ein Besuchermagnet und komplettiert unser Gradierwerk-Ensemble zu einem der größten Freiluftinhalatorien Europas.“

Als modernstes seiner Art wurde das Erlebnisgradierwerk im Jahr 2007 in Bad Salzuflen eröffnet. Die Besonderheit: Der Innenraum des Gradierwerks ist begehbar. Besucher bekommen ganz neue Einblicke in den Aufbau und in die Funktion des imposanten Bauwerks.

Gradierwerke wurden ursprünglich gebaut, um die Salzproduktion aus Sole-Wasser zu beschleunigen. Mit Hilfe von Pumpen wird die Sole aus den Salzufler Sole-Quellen nach oben befördert, über die stark verästelten Schwarzdornzweige geleitet und unten in den Becken wieder aufgefangen. Auf dem Weg nach unten verdunstet ein Teil des Wassers durch Wind und Sonne; der Salzgehalt der Sole konzentriert sich auf diese Weise. Dieser Prozess wurde zu den Zeiten der Salzproduktion viele Male wiederholt, so dass der anschließende Siedevorgang zur Salzgewinnung stark verkürzt werden konnte.

Heute werden die Gradierwerke in Bad Salzuflen nicht mehr für die Salzproduktion, sondern als Gesundheitsfaktor eingesetzt. Denn schon vor mehr als zweihundert Jahren stellte man einen positiven Nebeneffekt des Gradierwerkbetriebs fest: Bei der „Verrieselung“ der Sole über die Äste der Schwarzdornzweige entstehen salzhaltige Aerosole, die in der Luft vernebeln und ein Mikroklima wie am Meer erzeugen.
In Bad Salzuflen unterstützen die drei großen Gradierwerke und deren spezielle Anordnung wie ein „T“ mitten in der Stadt diesen Effekt ganz besonders. Die feuchte salzhaltige Luft hat eine abschwellende, desinfizierende sowie schleimlösende und reinigende Wirkung auf die Atemorgane. Auch der Sauerstofftransport im Körper wird verbessert, so dass der gesamte Organismus von der Wirkung profitiert. Für Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma, Pollenallergie, Erkältungen,

Nasennebenhöhlenentzündung und anderen Bronchialbeschwerden kann der Effekt medizinisch-therapeutisch genutzt werden.
Bereits im Jahr 1767 entstand am Standort des heutigen Erlebnisgradierwerks das erste und älteste Gradierwerk der Stadt. Dieses musste aufgrund von Baufälligkeit im Jahr 2004 abgerissen werden. Das neue Erlebnisgradierwerk entstand. Um einen freien Blick in den grünen Kurpark zu gewähren, entschied man sich für die besondere Bauweise mit „Durchblick“. Seit der Eröffnung konnten jährlich bis zu 30.000 Besucher verzeichnet werden.

Neben dem Blick ins Innere bietet das Erlebnisgradierwerk zwei weitere Besonderheiten: Zum einen die Aussichtsplattform, von der man den Blick über den Kurpark und das Areal rund um die Gradierwerke schweifen lassen kann. Zum anderen die Sole-Nebelkammer, in der man die wohltuende und heilende Wirkung der salzhaltigen Luft um ein Vielfaches potenziert erleben kann. Dafür wird die gereinigte Sole in speziellen Geräten mit Druckluft vernebelt. Düsen zerstäuben in kleinste Mikropartikel; ein blickdichter „Nebel“ entsteht. Durch diese besonders feine Zerstäubung kann sich die heilsame Wirkung der Sole beim Einatmen optimal entfalten.

Im Jahr 2017 wurden Schäden am Erlebnisgradierwerk festgestellt. Einige Mängel konnten direkt behoben werden, zum Beispiel durch den Einbau neuer Stützkreuze im Inneren des Bauwerks. Die Aussichtsplattform musste seitdem jedoch geschlossen bleiben. Um wieder eine komplette Nutzung möglich zu machen, waren umfassende Sanierungsarbeiten notwendig. Diese starteten im Januar 2021 und sind nun vollständig abgeschlossen.

Die Schäden am Bauwerk wurden vor allem durch Fugen im Bodenbelag verursacht, durch die etwas Tageslicht ins Innere des Gradierwerks fiel. Das darunterliegende Holz wurde durch die eindringende Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen. Bei der Sanierung wurde nun auf konstruktiven Holzschutz besonderer Wert gelegt, um Feuchtigkeitsschäden der statisch relevanten Strukturen zukünftig zu vermeiden.
Im Detail waren folgende Arbeiten notwendig:

Zunächst wurde eine Einordnung in die richtige Gebrauchsklasse des Holzes vorgenommen. Die begehbare Plattform wurde vollständig erneuert und durch eine Abdichtung für äußere Beeinträchtigungen unempfindlich gemacht. Dafür waren im ersten Schritt Demontagearbeiten und Vorbereitungen notwendig: Über die gesamte Fläche mussten der obere Bohlenbelag und alle Querriegel demontiert und entsorgt werden.
Danach folgte die Erneuerung der obersten Ebene. Dies beinhaltete die Anbringung neuer Holzbalken als "Dachprofil", eine anschließende Folienabdichtung und die Aufbringung des obersten Bohlenbelags ("Verschleißschicht") über die gesamte Fläche des Besucherdecks.

Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten musste ein ungefähr 80 Zentimeter breiter Streifen des Schwarzdorns ausgetauscht werden. Auch wenn die übrigen Schwarzdornzweige schon deutliche Versinterungen aufweisen, war ein kompletter Austausch noch nicht nötig. Dies wird turnusgemäß erst in ca. fünf Jahren der Fall sein. Die Bedornung der Gradierwerke hat in der Regel eine Lebensdauer von ca. 15 bis 20 Jahren – abhängig von der Beschaffenheit und der Solezusammensetzung. In den nächsten drei bis fünf Jahren werden voraussichtlich alle Gradierwerke nach und nach mit neuem Schwarzdorn ausgestattet. Die aus Polen stammenden Schwarzdornzweige können übrigens nur im Winter abgeholzt werden.

„Um den Kostenrahmen der eher ungewöhnlichen Baumaßnahme einhalten zu können, waren mehrere Ausschreibungsrunden erforderlich. Das Baubudget betrug 680.000 € und konnte trotz der schwierigen Rahmenbedingungen eingehalten werden“ fasst Bernd Zimmermann abschließend zusammen.

Aufgrund der Corona-Situation ist das Angebot für die Besucherinnen und Besucher zunächst noch eingeschränkt. Interessierte Kurparkgäste können sich ab Samstag, 10. Juli bis zum Ende der Sommerferien immer nachmittags (Freitag, Samstag, Sonntag) bei trockenem Wetter um 14:00 Uhr, 15:00 Uhr, 16:00 Uhr und 17 Uhr kostenlos das Erlebnisgradierwerk von innen anschauen und die Aussicht auf der Plattform genießen. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen ist die Teilnehmerzahl pro Gruppe auf 10 Personen begrenzt. Zudem muss während des Besuchs im Gradierwerk eine Maske getragen werden. Wichtig: Die Anmeldung zu den Besichtigungsterminen kann nur persönlich vor Ort an der Kasse am Haupteingang zum Kurpark erfolgen.
Die Nutzung der Sole-Nebelkammer kann den Besuchern leider noch nicht angeboten werden.

„Wir werden die weitere Entwicklung im Juli beobachten und auf Basis der geltenden Corona-Schutzverordnung entscheiden, ab wann wir das Angebot erweitern können“, sagt Volker Stammer. Viele Gäste sowie Einwohnerinnen und Einwohner warten natürlich vor allem auf die Inbetriebnahme der Sole-Nebelkammer. Aber es gibt noch andere kreative Ideen für eine erweiterte Nutzung der Aussichtsplattform. „Vorstellbar ist zum Beispiel, hier oben auch mal ein luftiges Mittags-Brunch oder ein besonderes Abendessen anzubieten. Mit diesem fantastischen Blick über die Dächer der Stadt und in den Kurpark ein ganz besonderes Erlebnis für Gäste sowie für Einwohnerinnen und Einwohner“, gibt Volker Stammer einen Ausblick in die Zukunft.

„Gerade jetzt in der Sommerzeit ist ein Besuch der Gradierwerke so oder so zu empfehlen. An heißen Tagen spürt man neben der frischen und reinen Luft auch die kühlende Wirkung der Aerosole, das ist sehr angenehm“, lautet die abschließende Empfehlung von Dirk Tolkemitt.

Man kann sich richtiges Atmen am Gradierwerk übrigens auch unter Anleitung erklären lassen. Dafür gibt es seitens der Staatsbad Salzuflen GmbH zwei verschiedene Angebote. Entweder in der Gruppe im Rahmen des Aktiv-im-Park-Programms (bis Oktober immer mittwochs um 11:00 Uhr im Kurpark; für Übernachtungsgäste mit SalzuflenCARD und Einwohner mit Plus Paket kostenlos). Oder als individuelles Einzeltraining buchbar über den Erlebnis-Shop. Mehr Informationen unter www.staatsbad-salzuflen.de

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Pressemitteilung Erlebnisgradierwerk 08.07.2021
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